Blog 3: Kunst-Theorie

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Kunst – Kosten und Nutzen

Der Diskurs über Kunst und Kommerz löscht fast aus dem Bewusstsein, dass Erleben von Theater und Musik auf Präsenz zielt, direkte Begegnung, gegenwärtige Empfindung – also aktuelle Tätigkeit ist. Auge und Ohr, Kopf und Körper reagieren auf beiden Ebenen, auf der der Künstler wie der des Publikums im Moment, also augenblicklich und unwiederholbar. Was Jene und Diese erhalten, entzieht sich weitgehend der Messbarkeit und den Gegebenheiten der Warenwelt.

Bewegende glückhafte Momente unserer Künste sind jene der gemeinsamen Erfahrung von Gegenwart, die die Bedingtheiten und Strategien unseres alltäglichen Lebens einen Lidschlag lang aussetzen: Eine Reihe von Klängen, eine Folge von Gesten und Worten, eine Bewegung der Körper lässt den Unterbruch banaler Kausalität erfahrbar werden als augenblicklichen Widerspruch und nicht als Täuschung über die Sache des Alltags hinweg.

Oper, Ballett, Schauspiel und Konzert: Die Künste des Momentanen bewahren in der Gegenwart das Vergangene als Geschichte des Menschen, die Geschichten seiner Hoffnungen und Träume, seiner Empörungen und Niederlagen in der Aufforderung, seine Leben neu zu gestalten. Theater und Konzertsäle sind Orte der Begegnung und Vermittlung von Vergangenheit und Gegenwart im Fragen nach unserer Zukunft. Geben wir diese Orte auf, indem wir sie ausschließlich der Aufrechnung von Kosten und Nutzen unterziehen, verraten wir jenen Teil unseres Lebens, der unsere Erinnerung, das je Unwiederbringliche, als Voraussetzung unserer Existenz wachhält.

  Friedrich Schirmer