Kleinkunst! Ein Begriff

Kleinkunst

Seit Beginn des 20.Jahrhunderts als Sammelbezeichnung verwendet für alle in/auf Kabarettbühnen und Varietés präsentierten (Bühnen)Kunstformen, die nicht den großen Apparat (Bühnenbild/Kostüm/Technik etc.) eines Stadt/Staatstheaters erforden, meist auch von kürzerer Zeitdauer:

Artistik (aller Art), Bänkelsang, Chanson, Couplet, politisches Lied, Conférence, Rezitation, Agitation, Sketch, Einakter, Tanz, Pantomime, Clownerie, Slapstick, Zauberkunst, Karikatur, Figurentheater, Travestie, Kurzfilm u.a.

Kleinkunst steht für eine intermediale, von Künstlern unterschiedlichster Sparten genutzte Bühnenkunstform, um nicht zuletzt eigene Werke zu präsentieren und mit neuen Formen und Inhalten zu experimentieren. Der Aktualität verpflichtet, bedient sich die Kleinkunst zum Zweck der Komik und/oder der Zeitkritik unterschiedlichster Mittel und Formen aus Literatur, Theater, Musik, Tanz, Malerei, Varieté und montiert diese oft in Form einer Nummernrevue zu einem neuen, eigenständigen Ganzen. Bevorzugt genutzt werden Mittel der Satire wie Ironie, Parodie, Travestie, Karikatur und der Groteske. Charakteristisch ist ihre Stellung zwischen Kunst und Unterhaltung, Politik und Entertainment sowie ein bis heute fehlendes gattungsspezifisches Traditionsbewusstsein. Dessen Stelle nimmt die allen Varianten der simultan rezipierten Kunstform gemeinsame Kommunikations-Strategie ein, die an Brechts Theorie vom epischen Theater erinnernde ‚Fiktionskulisse‘: eine Poetik der reduzierten Fiktion, die das „Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang des Publikums“ (Jürgen Henningsen) ermöglicht.

Kleinkunst will komisch-kritischer Spiegel der jeweiligen Gegenwart in all ihren Facetten sein, sowie des Bewusstseins seines Publikums, mit dem Ziel von Unterhaltung und/oder Aufklärung. Diese Melange aus Erkenntnis- und Erlebnischarakter kennzeichnet sie ebenso wie die Verwendung pluralistischer Formen. Hanns Dieter Hüsch fügte hinzu: Mit den Formen stellen sich die Inhalte ein. Vielen Protagonisten war und ist Kleinkunst ein Schlüssel zur existentiellen Selbsterkenntnis.

An anderer Stelle konstatierte der Poet Hüsch: Kleinkunst, Chanson und Kabarett sind dann nur große Kunst geworden und geblieben, wenn Euphorie und Disziplin, Ekstase und Bescheidenheit, Geduld und rigorose Träume von einem besseren Jahrhundert in einem Kopf münden. Dann wird die kleine Kunst, zwar oft schon tot gesagt, kein Ende finden, im Gegenteil, die Heiterkeit wird immer allgemeiner, dank dieser Tugenden von wenigen Künstlern.
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Kleinkunst vermag der Flüchtigkeit des Augenblicks Poesie zu verleihen – und wird so zu einem Kunstwerk.
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