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Kam ein Gast ins Kabarett, fand die Räumlichkeiten nett, zahlte seinen Obolus ohne jeglichen Verdruß, legte Mantel ab und Hut, fand sogar den Sitzplatz gut, winkte sich den Kellner her zwecks Bestellung von Verzehr, wählte eine Extra dry, fand dieselbe einwandfrei, trank die ersten Gläser ex, sah sich um nach etwas Sex, lächelte verführerisch dreimal kurz zum Nebentisch, brachte einen Flirt in Gang, freute sich, weils ihm gelang, streifte, als das Licht ausging, heimlich ab den Ehering, drehte dann mit frohem Sinn seinen Stuhl zur Bühne hin, lachte mehrmals ungeniert über das, was dort passiert, brach schon bei dem Namen Strauß ohne Grund in Beifall aus, hieb sich auf die Schenkel dann oder seinem Nebenmann, flirtete mit einer Frau (einer andern), wurde blau, ließ sich in der Pause nun, statt das Gegenteil zu tun, eine zweite Extra dry kommen, denn es blieb dabei, sprach: Na, ist das nicht grandios? Hier ist endlich mal was los! Nie mehr schau ich mir son Mist an, wie den Hamlet oder Tristan! Klatschte, als das Licht ausging und der zweite Teil anfing, war erst geistig noch ganz fit, sang dann aber manchmal mit, lachte sich so gut wie tot, kam dann plötzlich sehr in Not, spürte einen bösen Drang, wünschte sich den Abgesang und das Ende des Programms, zog die Uhr aus seinem Wams, prüfend, obs nicht bald vorbei, trank den letzten Extra dry, brannte sich ein Loch ins Hemd, saß am Ende ganz verklemmt, spendete gequält Applaus, als dann feststand: es ist aus, lachte über ein Bonmot seinerseits - und ging aufs Klo, sah dann schließlich an der Bar, daß kein Flirt mehr möglich war, zog sich Mantel an und Hut, fand die frische Luft nicht gut, kam zu spät zur letzten Tram, sprach zu sich: ein Scheißprogramm! ![]() Klaus-Peter Schreiner Aus Schuld abladen verboten, Lach- und Schießgesellschaft 1965. |
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